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AKTUELLE NEWS VOM ASCO 2011 IN CHICAGO

36 Monate adjuvante Imatinib-Therapie bei High-Risk-GISTs verbessert deutlich das rezidiv-freie Überleben und sogar das Gesamtüberleben!
Bad Nauheim/Chicago, 5. Juni 2011 / MW

Seit Wochen bereits schaut die internationale „GIST-Community" gespannt auf den ASCO*1) Kongress vom 4 - 8. Juni 2011 in Chicago/USA. Über 30.000 Mediziner, Patientenvertreter und Mitarbeiter der Pharmaindustrie aus aller Welt treffen sich jährlich zu diesem bedeutendsten wissenschaftlichen Krebskongress.

Mit Spannung erwarteten Betroffene und medizinische Experten vor allem die neuen Daten zur Behandlungsdauer mit Imatinib*2) in der adjuvanten Therapie des GIST (Gastrointestinale Stromatumoren). Hierbei handelt es sich um die Daten der Skandinavisch-Deutschen Studie (SSG)XVIII/AIO - einer Phase III Studie zur adjuvanten (vorsorglichen Behandlung) der GIST. Die Studie verglich das RFS = Recurrence Free Survival (das rückfallfreie überleben) bei Hochrisiko-Patienten die 36 Monate Imatinib erhielten versus Patienten, die 12 Monate Imatinib bekamen. Von Anfang 2004 bis Herbst 2008 wurden 400 Patienten in diese Studie eingeschlossen; die Patienten erhielten in beiden Studienarmen 400mg/Tag Imatinib.

 

 

Vor kurzem ging die Präsentation*3) in der „Plennary Session" im McCormick Place (Chicago) zu Ende, bei der die wichtigsten Innovationen des Kongresses vorgestellt werden und dies mit herausragenden Ergebnissen für die GIST-Community. Einige Minuten nach der Session telefonierte Das Lebenshaus e.V. direkt mit dem „Senior Author" des Beitrages Priv.-Doz. Dr. Reichardt. (Peter Reichardt ist GIST-Experte des Sarkomzentrums Berlin-Brandenburg und Vorsitzender unseres medizinisch-wissenschaftlichen Beirates. Er hatte auch die meisten Patienten in diese Studie eingebracht.) Dr. Reichardt gab die wesentlichen Ergebnisse kurz telefonisch durch: Die adjuvante Imatinib-Therapie über 36 Monate gegeben, verbessert das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben von Patienten mit hohem Rückfall-Risiko nach Operation - verglichen mit der Patientengruppe, die in der Studie Imatinib nur 12 Monate adjuvant erhielten. Danach war in der Studie das RFS = Recurrence Free Survival (das rückfallfreie Überleben) bei Hochrisiko-Patienten die Imatinib 36 Monte erhalten hatten deutlich besser, verglichen mit den Patienten in der 12-Monats-Gruppe. Das „5 Jahres RFS" betrug hier 65,6% (36 Monate) zu 47,9% (12 Monate).

Noch bedeutsamer sind die Ergebnisse zum OS = Overall Survival (dem Gesamtüberleben). Die Patienten der 36 Monats-Gruppe hatten eine höhere 5 Jahres Überlebenswahrscheinlichkeit (92,0 %) gegenüber der 12 Monats-Gruppe (81,7%). Hierzu Dr. Reichardt - sichtlich begeistert von den Ergebnissen und von dem Feedback auf die Präsentation in Chicago: „Dass 36 Monate Imatinib adjuvant hinsichtlich des RFS besser als 12 Monate sein würden, hatten viele von uns Experten erwartet. Dass aber auch die Daten für das Gesamtüberleben bei 36 Monaten Therapiedauer so überzeugend sein würden - ist das eigentlich Bedeutsame an diesem Ergebnis. Vereinfacht heißt das: Das Risiko innerhalb von 5 Jahren nach Diagnose eines operablen Hochrisiko GIST zu versterben, wird durch die 36-monatige adjuvante Imatinib-Therapie gegenüber einer 12-monatigen Therapie tatsächlich halbiert."

 

Für Betroffene und Mediziner geht nun eine Phase der Unsicherheit zu Ende. Ständig standen die Einjahres-Daten der amerikanischen ACOSOG Z9001 Studie im Raum - verbunden mit der unsicheren Frage: Was aber tun - nach einem Jahr Therapiedauer? Die ASCO-Ergebnisse von heute setzen den neuen Standard: 3 Jahre Behandlungsdauer bei Patienten mit hohem Rückfall-Risiko.

Die neuen ASCO-Daten zur Adjuvanz schreiben die „Imatinib-Erfolgsstory", die in 2000 begann weiter. Sie sind aber gleichzeitig auch eine Art „Proof of Concept" für die Target-Therapien in der adjuvanten Situation. Dies lässt künftig auf weitere Therapieoptionen auch bei anderen Sarkomen und anderen Krebsarten hoffen.

Das Lebenshaus e.V. wird die detaillierten Ergebnisse zur Adjuvanz in Kürze veröffentlichen. So wird beispielsweise Herr Dr. Reichardt die ASCO-Daten beim diesjährigen GIST-Forum für Betroffene vom 23. bis 24. Juni 2011 in Bad Nauheim persönlich vorstellen (Infos unter http://www.lh-gist.org/). Wer sich im übrigen für weitere Ergebnisse vom ASCO 2011 zum Thema GIST interessiert, findet 60 Abstracts der eingereichten Ergebnisse in englischer Sprache unter: http://abstract.asco.org/

 

*1) ASCO = American Society of Clinical Oncology

*2) Handelsname in Europe/Australien Glivec®, in den USA Gleevec™

*3) Die Präsentation in Chicago erfolgte durch Prof. Heikki Joensuu, GIST-Experte aus Helsinki/Finnland. Er hatte 2001 die erste GIST-Patientin mit metastasierter Erkrankung mit Imatinib behandelt.

 

Hintergrund: Adjuvante Imatinib-Therapie bei GIST

 

Im Behandlungskonzept der GIST kommt der chirurgischen Therapie - Operation oder Resektion genannt - nach wie vor eine zentrale Rolle zu. Die so genannte „R0 Resektion" (R-Null) lokal-primärer Tumoren ist bislang noch immer das beste prognostische Kriterium. Operable Tumoren sollten daher immer chirurgisch entfernt werden, wenn eine komplette Entfernung auf Grund der Befunde möglich ist. Doch selbst wenn Patienten mit lokal begrenzten Primärtumoren fachgerecht operiert worden sind, besteht bei GIST ein durchschnittliches Rückfall-(Rezidiv-)Risiko von 50%. Und in der Regel findet dieser Rückfall nicht nur lokal, sondern in Form einer Metastasierung in die Leber und/oder den Bauchraum statt. Um dieses Rückfallrisiko zu reduzieren, ist die Imatinib-Therapie seit Mai 2009 in Europa auch für die adjuvante Behandlung zugelassen.

Als „adjuvante Therapie" bezeichnet man in der Medizin generell ergänzende oder unterstützende Therapiemaßnahmen mittels Adjuvans. Der Begriff „Adjuvans / adjuvant" kommt aus dem Lateinischen = adjuvare und bedeutet „helfen". Adjuvanz bei GIST bedeutet konkret: Die Wirkung einer Therapie (Operation) zusätzlich zu unterstützen. Hierbei handelt es sich um eine Art „vorsorgliche Therapie" - nach kompletter Tumorentfernung als Vorbeugung (Prophylaxe) vor einem möglichen Rezidiv. Eine adjuvante Behandlung mit Imatinib ist am Ehesten bei Patienten mit signifikantem (deutlichen) - also hohem oder mittlerem - Risiko angezeigt. Das heißt bei Patienten, deren Rückfallrisiko - trotz erfolgreicher Operation - besonders hoch ist. Die adjuvante Imatinib-Therapie zielt darauf ab, möglicherweise vorhandene, noch nicht sichtbare oder messbare Tumorzellen/Mikro-Metastasen zu behandeln und somit die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs zu senken.

 

Für das praktische „adjuvante Management" der GIST ist hierbei wichtig:

  1. Jeder Patient mit einem lokal begrenzten, operablen Primärtumor muss seine Risikoklasse kennen.
  2. Diese Risikoklassifizierung sollte nach der Tabelle von Miettinen/Lasota (2006) erfolgen (Tumorlokalisation + Tumorgröße + Mitose- / Zellteilungsrate).
  3. Immer wichtiger bei der Entscheidung, ob ein Patient eine adjuvante Imatinib- Therapie erhalten sollte, ist das Wissen um die Primär-Mutation. Daher ist es künftig unerlässlich, dass bei Patienten mit Neudiagnose bzw. der Risikoklassifizierung auch der Mutations-status des Primärtumors mittels Mutations- oder Exon-Analyse erhoben wird.

Basierend auf der europäischen Zulassung von 2009, raten die führenden GIST-Experten in einer Art „Ampel-Modell":

ROT

GELB

GRÜN               

Niedrigrisiko-Patienten:

Mittelrisiko-Patienten:

Hochrisiko-Patienten:  

Sollten nicht behandelt werden!

Können behandelt werden!

Sollten unbedingt behandelt werden!


 

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