BELASTUNG DURCH CT?
Dazu Dr. Antoch:
Der Beitrag bei Frontal 21 bezieht sich auf den Einsatz der CT zur Prävention bei Menschen - ohne bislang bekannte Erkrankung. Hier ist der Einsatz tatsächlich kritisch zu sehen, da die CT eine Röntgenuntersuchung ist und mit einer Strahlenbelastung einhergeht. Die MRT wäre bei der Frage der Prävention somit die - meiner Meinung nach - bessere Alternative.
Nicht richtig in diesem Beitrag dargestellt ist das Ausmaß der Strahlenbelastung durch die CT. An dem im Beitrag genannten Beispiel des Brustkorbes soll das einmal nachgerechnet werden: Die Standard-Röntgenuntersuchung des Brustkorbes (Thorax in 2 Ebenen) hat eine Strahlenbelastung von ca. 0,3 mSv. Eine CT des Brustkorbes hat eine Strahlenbelastung von ca. 6 mSv. Die Strahlenbelastung ist somit 20-mal so hoch als bei einer konventionellen Röntgenuntersuchung - nicht 1000-mal so hoch! Dem gegenüber steht der zusätzlich diagnostische Nutzen einer CT des Brustkorbes - im Vergleich zu einer "normalen" Röntgenuntersuchung: Es können auch kleine Lungenmetastasen nachgewiesen werden, die ggfls. auf der konventionellen Röntgenuntersuchung noch nicht sichtbar sind.
Die Strahlenbelastung bei einer CT des Bauchraumes ist etwas höher als bei der CT des Brustkorbes und liegt, je nach Untersuchungsprotokoll, zwischen ca. 5 und 10 mSv. Natürlich wäre hier eine MRT eine Alternative für GIST-Patienten, aber Folgendes sollte bedacht werden: Die inzwischen zur Verlaufkontrolle (Dichteabnahme, RECIST-Kriterien, "nodule-within-a-mass" etc.) verwendeten Kriterien bei GIST sind CT-Kriterien. Es gibt zwar Hinweise, dass diese Kriterien auch auf die MRT übertragen werden können - genau ist das jedoch noch nicht nachgewiesen. Nach meiner Erfahrung ist die Genauigkeit zum Nachweis peritonealer Metastasen mit der CT höher als mit der MRT - darüber streiten sich jedoch international die Gelehrten.
Zur Strahlenbelastung: Alle Angaben zu Gefahren durch Röntgenstrahlen beruhen auf den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki. Das so errechnete Lebenszeitrisiko durch eine Strahlenbelastung eine Krebserkrankung zu entwickeln und daran auch zu sterben, beträgt 5% pro Sievert (Sv) Strahlenbelastung: Somit beträgt das zusätzliche Risiko durch eine CT des Abdomens (worst case: 10 mSv Strahlenbelastung) irgendwann einmal zu sterben 10 mSv X 0,005% mSv = 0,05%. Natürlich summiert sich das bei mehreren CTs im Verlauf, wie sie typischerweise bei GIST-Patienten durchgeführt werden, jedoch muss man das, denke ich, in Relation zum klinischen Nutzen sehen: Was kann wohl passieren, wenn ein GIST-Rezidiv nicht rechtzeitig erkannt wird?
AUTOR (MITGLIED DES MEDIZ.-WISS BEIRAT DES LEBENSHAUSES):
Herr PD Dr. Gerald Antoch ist Facharzt für Diagnostische Radiologie und Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen. Er befasst sich seit mehreren Jahren sowohl klinisch - als auch wissenschaftlich - mit der bildgebenden Diagnostik von GIST. Der Fokus seiner Tätigkeit liegt hierbei auf der morphologischen Bildgebung mit CT, der funktionellen Bildgebung mit PET sowie auf interventionellen Verfahren zur Behandlung von Lebermetastasen. Herr Dr. Antoch erhielt am 18. Mai im Rahmen des Deutschen Röntgenkongresses in Berlin den ehrenvollen Deutschen Röntgenpreis 2007 für seine wissenschaftlichen Untersuchungen zur PET/CT Bildgebung.
HINTERGRUND:
Das Sievert (Einheitenzeichen: Sv) ist die Maßeinheit der Äquivalentdosis. Die Äquivalentdosis beschreibt die im Strahlenschutz angenommene biologische Wirkung ionisierender Strahlung. Benannt ist die Einheit nach dem schwedischen Mediziner und Physiker Rolf Sievert (1896-1966). Vor dem 31. Dezember 1985 war die offizielle Einheit der Äquivalentdosis das Rem (rem). 1 rem = 0,01 Sv. Da 1 Sv eine relativ große Äquivalentdosis darstellt, werden praktisch vorkommende Werte meist in Millisievert (mSv) angegeben.
AUS EINER TABELLE:
bis 0,5 mSv Jährliche Strahlendosis aus dem All
bis 1,5 mSv Tägliche Dosis, die ein Astronaut frei im erdnahen All erhält
bis 2 mSv Jährliche künstliche Strahlendosis insgesamt, die durchschnittlich ein Bundesbürger erhält (z.B. durch Röntgenstrahlen)
bis 1 Sv Hiroschima-Atombombe in 2000 m Entfernung
bis 2 Sv Hiroschima-Atombombe in 1500 m Entfernung
bis 4 Sv Jahresdosis der geringer belasteten Gebiete im 30 km Umkreis des Reaktors in Tschernobyl
