AMN107/Nilotinib/Tasigna® (Monotherapie)
Weltweite „Progress-Studie" mit Nilotinib (AMN107) in der Startphase...
Eine randomisierte, multizentrische open-label Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit von Nilotinib (AMN107) - gegenüber unterstützender Begleittherapie mit oder ohne Tyrosinkinase-Inhibitor (Entscheidung durch den Prüfarzt) bei erwachsenen Patienten mit Imatinib- und Sunitinib-resistenten GIST.
Endlich ist es soweit! Die von Patienten - mit fortschreitendem GIST - bereits länger erwartete Studie mit AMN107 (Wirkstoff = Nilotinib, Handelsname = Tasigna®) befindet sich derzeit in der Startphase in Deutschland und der Schweiz. Nilotinib wird in dieser Studie als Monotherapie gegeben - also nicht in Kombination mit Glivec®.
Die Studienplätze im deutschsprachigen Raum, sind Teil einer internationalen Zulassungs-studie in 14 Ländern, an ca. 60 Zentren und mit insgesamt etwa 280 Patienten. „Diese Phase III Studie wird vor allem wichtig für Patienten mit weiter fortschreitender Erkrankung - also einem Progress. Sollte z.B. ein Patient unter Glivec® (Imatinib) progredient sein und auch eine Behandlung mit Sutent® (Sunitinib) (Startdosis 50mg/Tag) erfolglos gewesen sein - könnte dies eine echte Studienoption sein." so der weltweite Leiter der Studie - PD Dr. Peter Reichardt aus Berlin. „Auch Patienten, die nach Sutent® wieder auf Glivec® gewechselt haben, können evtl. an der Studie teilnehmen." so Reichardt weiter.
Die AMN-Thirdline Studie ist 2 bzw. 3-armig aufgebaut (Grafik). Zu Beginn werden die Patienten randomisiert (R = Zufallsauswahl per Computer) um entweder an einem Studienarm mit Nilotinib (400mg BID = 2 mal am Tag) oder am Studienarm „Best Supportive Care" teilzunehmen.
„Best Supportive Care" bedeutet, dass der Studienteilnehmer zunächst mit Imatinib oder mit Sunitinib weiter behandelt wird. Kommt es zu einem Fortschreiten der Erkrankung, kann der Patient durch einen sogenannten „cross over" in den Studienarm mit Nilotinib wechseln. Generell werden alle Studienteilnehmer in den ersten zwei Monaten - alle zwei Wochen und danach alle zwei Monate in den jeweiligen Studienzentren untersucht.
Folgende Regelungen sind bzgl. der
Vorbehandlungen mit Imatinib und Sunitinib wichtig:
- Wichtiges Einschlusskriterium: Radiologische bestätigte Progression (RECIST-Kriterien) der Krankheit unter Therapie mit Imatinib bei einer Dosierung von 400 mg täglich und einer radiologisch bestätigten Progression (RECIST-Kriterien) der Krankheit unter Therapie mit Sunitinib, die mit 50mg/Tag gestartet wurde (auch bei später reduzierter Dosis). Das heißt: Patienten/innen die mit weniger als 50mg/Tag ihre Sunitinib-Therapie begonnen haben (z.B. 37,5mg/Tag oder noch weniger) können an dieser Studie nicht teilnehmen.
- Patienten, die (per Zufallsverfahren) in den Studienarm „Best Supportive Care" gelost werden, müssen nicht unbedingt mit dem zuletzt genommenen Medikament in die Studie. Das bedeutetet z.B.: Jemand, der zuletzt Sunitinib bekommen hat, kann dies beibehalten oder vor/mit Studienbeginn auf Imatinib wechseln.
- Die Studiendosierung darf das irgendwann einmal genommene Maximum nicht überschreiten. Das bedeutet in der Praxis: Patienten, die in ihrer Erkrankungshistorie 400mg/Tag oder 600mg als höchste Imatinib-Dosis hatten, können in „Best Supportive Care" nicht plötzlich mit einer Steigerung auf 800mg teilnehmen - sondern je nach Vorbehandlung - eben nur mit ihrem bisherigen Maximum.
Dass Patienten/innen, die mit weniger als 50mg/Tag ihre Sunitinib-Therapie begonnen haben, nicht an dieser Studie teilnehmen können, hört sich im ersten Moment etwas unverständlich an. Und das vor dem Hintergrund, dass sich in der Praxis 37,5mg/Tag als Einstiegsdosis und Dauertherapie immer mehr durchsetzen. Doch die bisher von der FDA offiziell zugelassene Dosierung ist der Einstieg mit 50mg/Tag. Und sollte die Studie hiervon abweichen, ist zu befürchten, dass es Schwierigkeiten bei der Akzeptanz der Studienergebnisse und damit der zeitnahen Zulassung von Nilotinib geben könnte.
„Um Patienten/innen, welche den Einschlusskriterien nicht unterliegen bzw. leider Ausschlusskriterien erfüllen - trotzdem eine Therapieoption bieten zu können, arbeiten wir mit Novartis derzeit an einer Art „Notprogramm" mit Nilotinib." erläutert PD Dr. Reichardt. „Dies wird vor allem für Betroffene sein, die mit anderen Substanzen vorbehandelt sind oder bei Sunitinib eine geringere Startdosis als 50mg/Tag hatten. Sobald die Details und der Ablauf dieses Programms feststehen, werden wir die Patienten über Das Lebenshaus informieren."
WICHTIG:
Da die Studie weltweit nur etwa 280 Plätze bietet, raten wir Patienten - die Interesse an der Studie haben - zeitnah mit einem der nachfolgenden 12 Studienzentren Kontakt aufzunehmen: Hier sollten Sie frühzeitig klären lassen, ob Sie an der Studie teilnehmen können und sich bereits registrieren lassen...
Die Behandlung im Rahmen der Studie ist nur in einem dieser 12 Zentren möglich.
Studienleitung:
PD Dr. Peter Reichardt
Sarkomzentrum Berlin-Brandenburg
HELIOS Klinikum Bad Saarow und HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Ansprechpartner bei Rückfragen - Studiensekretariat:
Frau Mandy Schramm - e-Mail:
mandy.schramm@helios-kliniken.de
Tel: 033631 73727, Fax: 033631 73528
Frau Simone Micheel - e-Mail:
simone.micheel@charite.de
Tel: 030 9417 1205, Fax: 030 9417 1299
Studienzentren in Deutschland:
PD Dr. Peter Reichardt - Universitätsmedizin Berlin Charité Campus Buch
Tel. +49 (30) 9417-1205,
Prof. Dr. Hans-Jochen Schütte - Marien-Hospital Düsseldorf
Tel. +49 (211) 4400-2501,
Dr. Sebastian Bauer - Universitätsklinikum Essen
Tel. +49 (201) 723-2017,
Dr. Salah-Eddin Al-Batran - Nordwest-Klinikum Frankfurt
Tel. +49 (69) 7601-3380/3340,
Dr. Viktor Grünwald - MHH Medizinische Hochschule Hannover
Tel. +49 (511) 532 4077,
gruenwald.viktor@mh-hannover.de
Prof. Dr. Clemens Wendtner - Universität zu Köln, Klinik I - Innere Medizin
Tel. +49 (221) 478-86720,
Prof. Dr. Peter Hohenberger - Chirurgische Univ.-Klinik Mannheim
Tel. +49 (621) 383-2609,
peter.hohenberger@chir.ma.uni-heidelberg.de
Dr. Marcus Schlemmer - Klinikum der Universität München-Großhadern
Tel. +49 (89) 7095-7777,
marcus.schlemmer@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Justus Duyster - Klinikum Rechts der Isar München - III. Medizinische Klinik
Tel. +49 (89) 4140-5804,
Prof. Dr. Jörg Thomas Hartmann - Universitätsklinikum Tübingen
Tel. +49 (7071) 2982127 (Sekretariat),
joerg.hartmann@med.uni-tuebingen.de
Studienzentren in der Schweiz:
Dr. Roger von Moos - Kantonsspital Graubünden
Tel. +41 (81) 256 66 46,
Prof. Dr. Serge Leyvraz / Dr. Michael Montemurro - CHUV Lausanne
Tel. +41 (21) 314 45 30,
Interessenten aus Österreich:
Das Lebenshaus hat im Vorfeld versucht - mit Unterstützung unserer GIST-Experten - die Studie auch in Österreich zu platzieren zu lassen. Leider ist dies nicht gelungen.
Österreichische Patienten, die an der Studie teilnehmen möchten, kontaktieren entweder eines der o.g. Studienzentren direkt oder nehmen Kontakt mit dem Lebenshaus auf.
Bzgl. dieser Substanz, einem Tyrosinkinase-Inhibitor der zweiten Generation (man nennt sie inoffiziell auch Tochter von Imatinib) hat man bisher viel Positives bei der Behandlung von Imatinib-resistenten CML-Patienten (Chronisch Myeloische Leukämie) gehört. Dort gibt es auch inzwischen ein weltweit greifendes „Compassionate Use Programme" - also eine Art Bereitstellung des Medikamentes bis zur offiziellen Zulassung. Für progrediente GIST-Patienten in Deutschland gab es eine Phase I- Studie mit Nilotinib in Berlin. Erste positive Ergebnisse waren auf dem ASCO 2006 in Form einer Poster-Diskussion von PD Dr. Peter Reichardt vorgestellt worden. (Abstract Nr. 9545).
Von 18 Patienten die Nilotinib in Monotherapie erhielten, erreichte ein Patient eine partielle Remission, die ca. 6 Monate anhielt. Dreizehn weitere Patienten (72%) hatten eine Stabilisierung ihrer Erkrankheit, die mehr als 4 Monate andauerte; vier von ihnen erreichten eine Stabilisierung von mehr als 6 Monaten. Insgesamt wurde also bei 14 Patienten (78%) eine Krankheitskontrolle erreicht.
Nilotinib hemmt die Tyrosinkinase-Aktivitäten von PDGFRA und KIT. Die bisher vorliegenden Daten (Labor) von GIST-Zelllinien mit verschiedenen KIT-Mutationen zeigen, dass AMN107 eine größere wachstumshemmende Aktivität gegenüber Imatinib-empfindlichen und - resistenten Formen von KIT besitzt als Imatinib. Zum Zeitpunkt einer Progression werden häufig immer noch Teile des Tumors durch Imatinib kontrolliert. Hier könnte Nilotinib eine vorteilhafte Therapie für Patienten bieten, bei denen sich Resistenzen gegenüber Imatinib gebildet haben und die daher ein vermindertes Ansprechen zeigen. Wie bereits vor 6 Jahren bei Glivec®, hat die US-Arzneimittelbehörde FDA - Tasigna® - zur „orphan drug" erklärt!
Für Rückfragen:
Markus Wartenberg, Vereinssprecher
Telefon: 0700-4884-0700
Mail:
wartenberg@lebenshauspost.org
