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KINDER UND VERERBUNG

Dürfen Patientinnen, die Glivec® nehmen, schwanger werden und dürfen männliche GIST-Patienten, die Glivec® nehmen, ein Kind zeugen?

Frauen, die Glivec® nehmen, dürfen auf gar keinen Fall schwanger werden. Das Medikament hat wahrscheinlich sehr heftige Auswirkungen auf die Embryonalentwicklung, deshalb muss eine Schwangerschaft unter allen Umständen verhindert werden. Wie das bei männlichen GIST-Patienten ist, das weiß man streng genommen nicht so genau. Da gibt es kaum Erfahrungen und Daten. Stimmigerweise sollte man aber sagen, dass unter Glivec®-Einnahme auch keine Zeugung stattfinden darf. Da würde ich nicht abhängig vom Geschlecht unterschiedliche Empfehlungen geben.

 

Also: Zeugung und Schwangerschaft sind zu vermeiden, aber GIST-Patienten, die Glivec® nehmen, können natürlich - wenn sie verhüten - ganz normal sexuell aktiv sein. 

Man befürchtet, dass Glivec® die Embryonalentwicklung stört. Gibt es auch einen Hinweis darauf, dass Eizellen oder Spermazellen durch Glivec® geschädigt werden?

Nein, darauf gibt es keinen Hinweis. Angenommen, jemand nimmt in der adjuvanten Situation (vorsorgliche Glivec®-Therapie nach kompletter Tumorentfernung, um ein Wiederauftreten von Tumoren zu vermeiden) ein oder zwei oder drei Jahre Glivec®, das beendet er dann, und dann will er oder sie ein, zwei, drei Jahre später ein Kind zeugen oder bekommen, dagegen würde nichts sprechen. Man muss die Gesamtprognose berücksichtigen. Wenn jemand wegen eines Hochrisiko-GIST mit einer sehr hohen Rückfallwahrscheinlichkeit Glivec® adjuvant bekommen hat, vielleicht für ein Jahr, dann würden wir dringlich abraten, unmittelbar danach ein Kind zu zeugen, denn da besteht ein hohes Risiko, dass vielleicht in den nächsten ein, zwei Jahren doch ein Rezidiv (Wiederauftreten) eintritt. Wenn aber jemand sagt: das nimmt er bewusst in Kauf, dann spricht medizinisch gesehen nichts gegen Zeugung oder Schwangerschaft. Das heißt, das ist dann mehr eine ethisch-moralische Frage, ob man das dann machen will oder nicht.

Wie ist es bei Patienten, die schon Kinder haben: müssen sie befürchten, dass ihre Kinder auch irgendwann an GIST erkranken?

Nein, abgesehen von der extrem seltenen Form von familiärem GIST, da gibt es weltweit nur wenige Familien, ist GIST definitiv nicht vererbbar.

Es gibt Patienten, deren Eltern oder Großeltern bereits an Tumoren im Magen-Darm-Trakt erkrankt waren. Wäre es nicht denkbar, dass auch unter diesen Krankheitsfällen GIST waren, man sie damals nur nicht als solche erkannt hat?

Familiärer GIST ist extrem selten. Es gibt, wie gesagt, nur wenige Fälle auf der ganzen Welt. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas vorliegt, ist extrem gering. In den wenigen Familien, wo das der Fall ist, haben praktisch alle Familienmitglieder früher oder später einen GIST. Andererseits sind Tumorerkrankungen im Magen-Darm-Trakt, also Dickdarmkrebs und auch Magenkrebs, sehr häufige Tumorerkrankungen. Wenn das in der weiteren Familienanamnese vorkommt, heißt das gar nichts. Die Wahrscheinlichkeit eines erblichen GIST ist extrem gering.


 

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